Chronische Verspannungen lösen: Ganzheitliche Ansätze für den Bewegungsapparat

Viele von uns sitzen den lieben langen Tag. Denn unser moderner Alltag ist geprägt von monotonen Bewegungsabläufen und mentaler Leistung, bei der man den Körper schnell vergessen kann. In der Folge verspannt sich die Skelettmuskulatur dauerhaft. In der Konsequenz sinkt die Durchblutung im Gewebe und Stoffwechselendprodukte werden schlechter abtransportiert. Und dann spüren wir Schmerz, behalten unseren Körper in einer Schonhaltung und kreieren daraus ironischerweise noch mehr Schmerz. Doch von jetzt auf gleich täglich eine Stunde lang Yoga zu praktizieren, ist weder eine Lösung noch ein realistischer Ansatz. Stattdessen geht es darum, ein paar ganzheitliche und tiefenwirksame Methoden zu nutzen, mit denen der Bewegungsapparat nachhaltig entlastet wird.

Die Thaimassage: Muskeln und Faszien

Da viele der Blockaden mit der Zeit immer tiefer sitzen, müssen sie ganz gezielt gelöst werden. Die traditionelle, fernöstliche Medizin ist an dieser Stelle besonders gut geeignet. Eine Thaimassage, die traditionell Nuad Phaen Boran genannt wird, ist keine reine Wellness-Massage. Stattdessen kombiniert sie passives Yoga mit Akupressur und sanfter Dehnung, während der Masseur das Eigengewicht des Patienten nutzt und gleichzeitig gezielt seine Hände, Ellenbogen und Knie einsetzt, um die Dehnungsrezeptoren der Muskeln anzusprechen. Auf diese Art und Weise wird die Gelenkmobilität systematisch wiederhergestellt. Und das ist medizinisch belegt. Durch den rhythmischen Druck auf die myofaszialen Leitbahnen wird die Produktion von Gelenkschmiere angeregt und gleichzeitig die Durchblutung im tiefen Gewebe verbessert. Wer also unter chronischen Rückenschmerzen oder eingeschränkter Bewegung leidet, kann die Thaimassage gezielt zur Entlastung seines Körpers nutzen.

Die Osteopathie: Knochen, Muskeln und Organe

Während die Thaimassage den Bewegungsapparat und die Dehnung aktiviert, geht es bei der Osteopathie eher um Knochen, Muskeln und innere Organe. Wenn die chronischen Rückenschmerzen zum Beispiel tiefer sitzen und eigentlich aus Verspannungen im Gewebe um den Magen oder Darm stammen, können die sanften Griffe der Osteopathie Wunder wirken. Sie lösen Blockaden, die über Nervenbahnen bis in die Skelettmuskulatur strahlen.

Die Akupressur: Therapie an Triggerpunkten

Ein weiterer Ansatz liegt in der Therapie von Triggerpunkten. Diese Punkte sind sehr schmerzhafte Verhärtungen im Muskel, die oft die Größe eines Stecknadelkopfes haben und eine weitere Manifestation chronischer Verspannungen sind. Sie strahlen oft in ganz unterschiedliche Körperregionen aus, selbst wenn sie eigentlich im Rücken oder im Nacken begonnen haben. Bei der Triggerpunkt-Therapie nutzt der Therapeut punktuellen, langanhaltenden Druck mit seinen Händen oder gar sterile Akupunkturnadeln. Letzteres wird auch Dry Needling genannt und provoziert einen lokalen Krampf im Muskel, der im Anschluss für tiefe Entspannung im umliegenden Gewebe sorgt.

Jacobsen: Die Progressive Muskelentspannung (PMR)

Wer all diese Methoden bereits ausprobiert hat, aber noch immer keine Veränderung im Körpergefühl wahrnimmt, sollte etwas tiefer schauen. Schließlich sind diese Ansätze körperlich. Sie greifen aber zu kurz, wenn der Auslöser mentaler Stress ist. Bei der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen wird das sogenannte Prinzip der Postisometrischen Relaxation genutzt. Bestimmte Muskelgruppen werden ganz bewusst nacheinander je für ein paar Sekunden so fest wie möglich angespannt und dann entspannt. Dabei geht es darum, das Gehirn zu informieren. Es soll durch den Kontrast wieder lernen, wie sich ein vollkommen gelockerter Muskel anfühlt, was den unbewussten Grundtonus der Muskulatur nachhaltig senkt. Am Ende gilt, dass der Weg zu einem schmerzfreien Bewegungsapparat individuell ist. Jeder muss seinen eigenen Weg zur Erholung finden, doch das Aufbrechen verkrusteter Bewegungsmuster ist dabei fast immer der erste Schritt.